Abstraktes Prinzip
Infragestellung von abwehrend-schützender Begrenzung, speichernder
Akkumulation und Integration und sinnlicher Reiz- und Stoffaufnahme
Erlebensform
In der Erlebensform bedeutet diese Konstellation, daß man
in der Lage ist, den abwehrend-schützenden Rahmen einer um eine Mitte
zentrierten Begrenzung in Form von gesellschaftlichen Rahmen (Verbände,
Gruppen, Familien, Firmen, Clubs, Cliquen, Logen, Nationen, etc.), von
allgemeinen oder speziell auch gesellschaftlichen Konventionen, Verhaltensmustern
und Gewohnheiten für sich selbst in Frage zu stellen und damit auch
gleichzeitig die Sicherheit in Frage zu stellen, den diese Abgrenzung bieten
könnte. Da zu einer Begrenzung auch etwas zu Begrenzendes gehört,
kommt es in der Erlebensform bei einer Infragestellung der Begrenzung zu
offenem und ungehinderten Austausch in jede Richtung, zu Aufgeschlossenheit
und Freiheit von Vorurteilen wie auch zu einer Unabhängigkeit von
den eigenen Wurzeln, Basis und Herkunft. Der Austausch von materiellen
Gütern, emotionalen oder geistigen Werten wie auch persönlicher
Erfahrung ist dabei sowohl im Nehmen wie auch insbesondere gleichermaßen
im Geben mehr als wichtig. Grenzen in jeder Form als auch die Bewahrung
und Speicherung des Erhaltenen werden infragegestellt und durch die fehlende
Abgrenzung kann sich ein freies und ungehindertes Spiel der Schicksalskräfte
entfalten, wie sich damit auch persönliche Entwicklungspotentiale
freisetzen und anbieten können.
Weiterhin legen Menschen, die diese Konstellation in der Erlebensform
erleben, keinen oder wenig Wert auf sinnlichen Konsum. Sie legen den Schwerpunkt
ihres Leben nicht darauf, sich abzugrenzen, aufzunehmen (zu „hamstern“)
und sich im Konsum durch die Möglichkeiten des sinnlichen Leibs zu
verankern, sondern genießen ohne „Erdungsschwerpunkt“ das freie,
unabhängige und unwillkürliche Spiel des Angebots des Augenblicks
und der persönlich-individuellen Entwicklungschancen im Gegensatz
zu den Beschränkungen des allgemein-kollektiven Begrenzungsrahmens.
Sie essen, wenn ihr Körper ein natürliches Hungergefühl
aus dem Mangel an zugeführten Nahrungsstoffen vermeldet und nicht,
weil sie das Zentrum ihres Seins und ihres Selbst nur dann verspüren
können, wenn sie auf der sinnlichen Ebene Stoffe oder Reize zuführen,
die bestätigen, daß man bzw. das eigene Ego noch da ist.
Erleidensform
In der Erleidensform kommt es meist aus einer Angst vor dem Unbekannten
und Neuen und dem daraus wieder entstehendem Mangel an Risikofreude dazu,
daß man an den immer gleichen Verhaltensmustern, gesellschaftlichen
Strukturen und Konventionen oder auch existenziellen Grundlagen beharrlich
festhält, die ein vermeintliches Sicherheitsgefühl vortäuschen,
was einem über die eigene Unsicherheit und Angst hinweghelfen soll.
Diese Angst und Unsicherheit vor neuen Erfahrungen, Erlebnissen, Situationen
und Herausforderungen führt dann dazu, daß man am Althergebrachten
oder Gewohnten klebenbleibt, zwanghaft die immer gleichen Erfahrungen ohne
Veränderungen wiederholt, damit steif, starr und unbeweglich wird
und versteinert. Angst vor dem freien Spiel der Schicksalskräfte führt
zu allgemeiner Ängstlichkeit in vielen Situationen und vor vielen
Dingen, insbesondere dann, wenn es sich in einer bestimmten Situation um
einen Neubeginn handelt oder die Situation als solche unbekannt oder nur
schwer kalkulierbar ist. Angst muß sich dann zwangsläufigerweise
auch dann einstellen, wenn Themen berührt werden, die mit unbewußten
Persönlichkeitsanteilen zu tun haben, da diese sich der Kalkulierbarkeit
und der Rationalität des Tagesverstands leicht entziehen und insofern
eine Gefahr darstellen könnten. Daraus erklärt sich also völlig
einleuchtend, warum unter dieser Konstellation Angst, insbesondere nächtliche
Angst, Angst beim Erwachen (Neubeginn des Tages) oder ein Auffahren bzw.
ein Zusammenfahren aus dem Schlaf auftritt (Berührung und Kontakt
mit unbewußten Schichten) auftritt. Auch machen sich dann Beschwerden
bemerkbar, wenn man sich in einer Erwartungsspannung befindet, insbesondere
umsomehr, je weniger die Situation bekannt oder kalkulierbar ist, z.B.
in Prüfungen, praktisch bei jeder persönlichen Erfahrung, die
zum ersten Mal stattfindet wie z.B. beim ersten Geschlechtsverkehr, in
der ersten Fahrstunde, etc.
Es besteht die deutliche Tendenz, sich Situationen und Gegebenheiten
dann zu entziehen oder ihnen auszuweichen, wenn sie eine Herausforderung
und damit Spannung in sich tragen ( „Das kann ich ja doch nicht, ich laß
es gleich lieber bleiben.“ ). Lieber versucht man, in der gewohnten und
bekannten Sicherheit und Abgrenzung des eigenen persönlichen Bereichs
oder in der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe (Stammtisch,
Kegelverein, Musikorchester, Kaffeekränzchen) oder gesellschaftlichen
Schicht (Bäckerinnung, Gewerkschaftsmitglied, etc.) Schutz vor dem
Unbill der freien und ungehinderten Auseinandersetzung und dem Austausch
der jeweiligen Situation zu finden. Diese Vorgehensweise gewährleistet
zwar Sicherheit, betäubt einen aber auch gleichzeitig durch die vorenthaltene
Herausforderung. Damit einhergehend ist oft eine starke Empfindlichkeit
für unangenehme, herausfordernde oder ungewohnte Reize vorhanden,
die dazu führen können, daß man mürrisch oder mißmutig
schlechte Laune verbreitet ( „Laß mich in Ruhe !“ ).
Mangelnde Herausforderung und Eigenbewegung bzw. Eigeninitiative führen
zur Zementierung der eigenen existenziellen, gesellschaftlichen und auch
persönlichen Verhaltensmuster. Es kann dann in diesem Zusammenhang
leicht zu Eigensinn und Starrköpfigkeit wie aber auch zu Faul- und
Trägheit bzw. zu Feig- und Schüchternheit kommen. Man bevorzugt
Beschäftigungen, die einfach und direkt auf sinnliche Befriedigungen
gerichtet sind, wie z.B. durch oft vermehrten und auch überflüssigen
Konsum von Nahrung oder groben Reizen, durch leichte oder auch sensationelle
Zeitungs- und Romanlektüre, Kreuzworträtsel, Fernseh- und Computerkonsum,
Alkoholkonsum (hier meistens Bier) und last but not least auch durch Sex.
Mit anderen Worten könnte man die Lebensphilosophie dieser Konstellation
auf die Maxime reduzieren: „Fressen, Ficken, Fernsehen.“ Dementsprechend
zeigt dies auch die Leibesfülle dieser Menschen: Sie sind gern dick,
wenn nicht sogar fett, und dokumentieren damit ihre seelische Unbeweglichkeit
und Zementierung auch auf der körperlichen Ebene.
Während dann auf der emotionalen Ebene sich leicht Apathie und
Gleichgültigkeit oder aber auch Traurigkeit sich einstellt, kann auf
der geistigen Ebene oft geistige Erschöpfung, Gedächtnisschwäche,
Konzentrationsschwäche und auch eine Abneigung gegen geistige Anstrengung
auftreten, im Extremfall sogar Dummheit und Imbezillität. Teilweise
erscheint es der Außenwelt sogar so, als ob diese Menschen geistig
zurückgeblieben sind angesichts eines infantil-kindlichen Verhaltens.
Solche Menschen sind leicht geistig zu verwirren, da ihnen das Training
fehlt. Naheliegend erscheint es dann da auch ebenso, daß man sehr
vergeßlich wird und die eigene geistige Spannkraft erlahmt.
Interessanterweise sind gerade die, die unter dieser Konstellation
an gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Integration festhalten (Heiligung
der Gemeinschaft), um sich so zumindest ein Mindestmaß an persönlicher
Sicherheit durch Zugehörigkeit an einen Sozialverband zu erhalten,
die schwächsten Glieder im Sozialverbund und können leicht als
Sündenböcke für die gesellschaftlich Stärkeren und
Etablierteren mißbraucht werden. Auf Kosten dieser standesmäßig
Schwachen werden gerne die Bauernopfer erbracht, man schiebt diese für
unangenehme Aufgaben vor oder opfert diese sogar, um den Sozialverband
gesunden zu lassen oder zu erhalten. Dabei sollte nicht übersehen
werden, daß gerade diese Menschen sich selbst aufopfernd hingeben,
da ihnen der Mut fehlt, aus dem jeweiligen Sozialverband herauszutreten
und damit für die Belange des sozialen Systems nicht mehr zur Verfügung
zu stehen.
Fast naheliegend ist es da, daß Menschen mit dieser Konstellation,
die unbewußt spüren, daß sie aufgrund ihres Außenseitertums
eigentlich nur schwer in einen Verband integrierbar sind, sich darum bemühen,
durch Tätigkeiten in sozialen Berufen (Kranken- oder Altenpfleger,
Behindertenarbeit, Sozialarbeit, Sonderschularbeit, etc.) ihre Brauchbarkeit
innerhalb der Gesellschaft zu dokumentieren und damit ihre notwendige Tolerierung
zu erlangen.
Ironie des Inhalts mag da sein, daß solche Menschen trotz ihrer
Sicherheitssuche in der Gesellschaft anderer nicht selten eine Abneigung
gegen Gesellschaft vorweisen.
Im partnerschaftlichen Bereich ist die Tendenz groß, an Gemeinschaftsstrukturen
festzuhalten und diese zu bewahren, auch wenn diese sich als unvereinbar
oder der eigenen persönlichen Entwicklung als hinderlich erweisen
sollten. Hier wird Liebe zur Pflicht und kann leicht Partnerschaftsprobleme
nach sich ziehen, wenn man nicht lernt, aus Standeskonventionen- und vorstellungen
auszubrechen. Es kann eine Disposition zu älteren Partnern bestehen.
Die Familiensituation zur Zeit der Geburt erweist sich als streng abgegrenzt
und nach außen hin abgeschlossen. Oft ist die Erziehung des Kindes
stark moralisch.
Körperliche Ebene