... ein weites fernes Land namens Heilonias. In diesem Land gab es fünf große Provinzen. Ihre Namen waren Holzonia, Furonia, Terrania, Metallina und Wassania. Jede Provinz unterschied sich von der anderen durch die Menschen als auch die Sitten und Gebräuch e dieser Provinzen. Auch lebte in jeder dieser Provinzen ein Stammesoberhaupt und galt unter den Einwohnern der jeweiligen Provinz als Weiser und oberster Rat in allen Fragen des Lebens. Der oberste Weise von Holzonia hatte einen eigentümlichen Namen: Para celsus. Er galt als ein in seiner Jugend weitgereister Mann, der vielen Menschen begegnet war, viele Erfahrungen in seinem Leben gemacht und meist auch einen sehr ungewöhnlichen Lebensstil gepflegt hatte. Er soll in einer Holzhütte in einem Wald in der Näh e eines Bergwerks geboren worden sein. In Holzonia, und daher kommt auch der Name, gibt es nämlich viele und weite Wälder. Selten war er seßhaft geworden, stets zog er durch die Lande und manchmal wurde er sogar aus einer Stadt vertrieben, wenn seine Lehre n auf wenig Gegenliebe bei der Bevölkerung stießen.
„Aha, ein Tuberkuliniker !“ - sprach der Weise aus der anderen Provinz, nämlich der Weise von Wassania, der von der dortigen Bevölkerung nicht weniger geschätzt wurde als Paracelsus in Holzonia. Sein Name war Hahnemann. Die beiden waren gute Freunde und b eiden war das Reisen im besten Mannesalter stets ein liebes Hobby gewesen. Selbst im Alter wurden die beiden nicht müde, von Zeit zu Zeit die anderen Provinzen zu besuchen. Wassania war dafür berühmt, daß sie excellente Weine und Zuckerspeisen verfertigen konnten. Spötter aus Furonia hielten ihn zwar immer wieder vor, daß in ihren Weinen eigentlich gar nichts enthalten sei und daß diese doch recht fade schmecken würden. Vielleicht rührt daher auch der Name von Wassania her, denn die Furonier, die auf ihren Rotwein sehr stolz waren, fanden, daß der Wein von Wassania wie Wasser schmecken würde. Gelegentlich begegneten Paracelsus und Hahnemann auf ihren Reisen einem fremdländischen Zeitgenossen. Er wurde oft nur kurz „der Gelbe“ genannt, aber sein eigentlicher Name war „der gelbe Kaiser“. Niemand wußte genau, warum er so hieß und es wurde gemunkelt, daß er aus einem weit entfernten Land gekommen sein soll und daß er dort einmal einen sehr hohen staatlichen Posten bekleidet hätte, daher der Zusatz Kaiser. Aber s elbst heute wurde er noch in der Provinz Metallina sehr geschätzt und nicht ohne Grund hatte die dortige Bevölkerung ihn zu ihrem obersten Rat und Weisen eingesetzt. Vielleicht war sein edles, vielleicht sogar blaues Blut dafür verantwortlich, daß er einen gewissen Hang zum Luxus hatte und seine Heim manchmal wie ein Kaiserpalast mit vielen Metallen ausstaffiert war und auch so funkelte. Seine Lieblingszahl war im übrigen die Fünf und seine Eigenart bestand darin, daß er hinter den vordergründigen Eigenarte n der Dinge stets auf die Ursachen dahinter zu schließen vermochte.
„Das dürfte einem alten Alchemisten wie mir nun auch nicht weiter schwer fallen“ sagte Paracelsus und hatte damit wohl nicht ganz unrecht.
„Männer !“ seufzte Hildegard, „immer haben sie nur ihre eigene Profilierung im Kopf und müssen das in ewigen Hahnenkämpfen miteinander ausfechten.“ Ja, das war Hildegard, die weise Frau aus der vierten Provinz, nämlich aus Terrania. Ihr eigentlicher Name w ar Hildegard von Bingen. Als einzigste der vier Provinzen hatte Terrania sich eine Frau zum Oberhaupt ernannt und sie schätzten die weibliche Intuition und Hellsichtigkeit von Hildchen, wie die Bevölkerung von Terrania ihre fürsorgende Landesmutter oftmals liebevoll nannte. Gleichzeitig war sie für ihre Vernunft und ihre Liebe zu Land und Menschen bekannt. Einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen war es, mit nackten Füßen im Garten zu arbeiten und dabei die feuchte, weiche Erde unter ihren Füßen zu spüren.
Auch Furonia stand ein Oberhaupt vor, und er wurde von der dortigen Bevölkerung „der Chef“ genannt. Die Bevölkerung von Furonia war sehr stolz auf ihr Oberhaupt und blickte oftmals mit Verachtung auf auf die anderen Provinzen von Heilonias und auch auf ihr e Weisen. Sie hielten sich für die schnellsten, klügsten und intelligentesten von allen. Vor allen Dingen hielten sie sich für die heilkundigsten von allen. Dazu muß man wissen, daß alle Provinzen von Heilonias über ausgezeichnete Heiler und Ärzte verfügte n, aber jede Provinz pflegte eine andere Art von Heilkunde. Die Leute von Furonia galten als die schnellsten von allen und die anderen Provinzen witzelten über die Furonianer und besonders über ihr Oberhaupt, einen Mann names Galen, daß sie schneller handelten als sie dächten. Vielleicht hieß Galen auch deswegen Galen, weil ihm oft die Galle hochkam, denn er war als berühmt-berüchtigter Choleriker bekannt.
Doch wir wollen uns hier kein Urteil darüber erlauben,
sondern einfach den Gang der Dinge wiedergeben und die Geschichten, die
sich in Heilonias abspielten.